Normal ist das, was einer bestimmten Norm entspricht. Diese Norm korreliert mit dem in einer Kultur gesellschaftlich akzeptierten Denken, Handeln und Verhalten. Die Norm bleibt unkonkret, sie wird aber daran demonstriert, wie einzelne denken, handeln und sich verhalten. Diese Vorbilder werden der nachwachsenden Generation zur Uebernahme vorgelegt und ihr als zu lernendes, zunehmend erwachsenes, reifes Verhalten abverlangt.

 

’normal‘ segregiert

Wird ueber jemanden gesagt, er sei nicht normal, so wird damit auch gesagt, dass er graduell oder ganz aus der Gemeinschaft ausgeschlossen ist.
Wenn man Kindern beim Spielen zusieht, kann man erleben, welche Folgen es hat, wenn die Mehrheit eines von ihnen ausschließt. Jugendliche, die sich wohler in ihrer Altersgruppe fuehlen als unter anderen, scheinen – in einer Zeit der Distanz zu Normen der Aelteren – dem Wunsch folgen zu wollen, dazu zu gehoeren. Erwachsene, die von Kollegen und Freunden aus gegebenem Anlass – moeglicherweise weil sie irgendwie anders sind – geschnitten werden, bezeichnen wir als Mobbingopfer.

 

’normal‘ =Wert

Ich denke daher, es ist ein schwerwiegendes Urteil, wenn Menschen Einzelne als nicht normal bezeichnet. Schwer zu verkraften duerfte dies wahrscheinlich auch infolge von Mitbedeutungen fuer ’normal‘ sein. Letztere koennen fuer jeden Menschen auf das hinweisen, was Wert fuer ihn hat. Wert fuer die Bezeichnung ’normal‘ duerfte eventuell in unserer Kindheit bereits durch die Zuneigung entstehen, die wir gegenueber den Menschen empfinden, die von uns in bestimmten Situationen fordern, das zu denken, zu tun und uns so zu verhalten, wie sie glauben, dass es ’normal‘ sei.

 

‚wissen‘ bewertet

‚hochsensitive‘ gehoeren nach Aussage von Wissenschaftlern zu einer kleinen Gruppe von Individuen in jeder Gattung Lebewesen. 15-20% duerfte ihr Anteil betragen. Aus normaler Sicht koennte man sagen, Pech gehabt, Du bist eben mit einer nicht-normalen physischen Ausstattung geboren. ‚hochsensitive‘ Menschen verhalten sich dazu aehnlich wie uebrigens andere Menschen auch, die auf diese ‚wissenschaftlich‘ begruendete Weise ausgeschlossen werden (z.B. ‚hochbegabte‘). Sie reagieren auf den Ausschluss aus der Gemeinschaft und entwickeln reaktantes Denken, Handeln und Verhalten. Einen Hinweis auf Reaktanz gibt aus meiner Sicht die unter ‚hochsensitiven‘ verbreitete Auffassung, dass ‚hochsensitiv‘ mitmeine, solche Menschen seien per se intelligenter oder verstaendnisvoller, weil sie anders wahrnehmen.

 

 

‚lernen‘ ermöglicht ‚funktionieren‘

Konstitutionelle Gegebenheiten werden beim Menschen optimal durch die staendige Aktivitaet ‚Lernen‘ gebrauchsfaehig gemacht und auch so optimiert. Auf diesen Zusammenhang weisen auch die Forschungsergebnisse aller Wissenschaften hin. Ich gehe deshalb davon aus, dass erst ‚lernen‘ zum funktionieren bringen kann, was ‚hochsensitive‘ von anderen unterscheidet und es so ermoeglicht positive Anwendungen zu finden. ‚lernen‘ koennte den Raum oeffnen, die Dinge so zu sehen, wie ein ‚hochsensitiver‘ diese erlebt und bewertet, anstatt die Dinge so zu sehen, wie andere glauben, dass sie gesehen werden muessen. Daraus koennten innovative Impulse fuer alle entstehen.
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