Reizschwellen

hochsensitiv‘ charakterisiert ein bestimmtes Verhalten. ‚hochsensitiv‘ könnte auch eine funktionale Eigenschaft von Nervenzellen (Sensoren und Neuronen)sein. ‚hochsensitiv‘ reagieren Nervenzellen eines Menschen dann, wenn die absolute Reizschwelle von Nervenzellen niedriger als die durchschnittliche anderer Menschen ist. Als ‚absolut‘ bezeichnet man den Wert der Reizschwelle einer Nervenzelle, den Reize bzw. Impulse erreichen muessen, um Aktionspotentiale einer Nervenzelle auszuloesen.

 

Modulation und sensorische Anpassung

Reizschwellen sind prinzipiell variabel, sie haengen mit komplexen Organlagen unseres Koerpers zusammen. Eine voruebergehende Modulation geschieht z.B. beim Schlafen. Menschen reagieren dann entweder gar nicht oder nur verzoegert auf Reize und Impulse. Reizschwellen von Nervenzellen koennen sich nachhaltig durch sensorische Anpassung im Zusammenhang mit ‚lernen‘ veraendern. Dies wird z.B. im Sport durch Training bestimmter Bewegungsablaeufe erreicht. Ebenso beim ‚lernen‘ sehr komplexer Bewegungen im Kleinkindalter, wie z.B. ‚laufen‘.

 

Schwellenwerte

Der momentane Status der sensorischen Anpassung loest in der Regel mehr oder weniger positive Empfindungen aus. Berichten Menschen nun, dass sie sich z.B. ueberreizt und daher gestresst fuehlen, wenn sie sich in bestimmten Situationen befinden, dann wird neurobiologisch unterstellt, dass dies mit den Schwellenwerten von Nervenzellen, insbesondere der Neuronen  zusammenhaengt und mit der Modulation von Impulsen im ZNS. Man kann diesen Zusammenhang experimentell mit Hilfe des fMRT erforschen und darstellen. ‚Schwellenwerte‘ sind seit Jahren eines der zentralen Forschungsgebiete in der Neurobiologie, weil man sich dadurch differenziertere Kenntnisse ueber zentralneurologische Aktivitaeten verspricht.

 

neuronale Aktivitaeten

Der bestaendige Fluss von neuronalen Aktivitaeten im Gehirn (‚Neuronenfeuer‘) wird hier gesteuert. Im Großhirn entstehen Netzwerke von Neuronengruppen, die sich wiederum zu Netzwerken verbinden.  Es bilden sich Netzwerke aus Netzwerken. Entsprechend der Vernetzung werden afferente Impulse zusammengefuehrt und je nach dem verstaerkt oder gehemmt. Daraus  entstehen regelhafte Steuerungsmuster fuer efferente Impulse. Die sehr komplex vernetzten neuronalen Aktivitaeten von ca. 100 Milliarden Neuronen duerften die Effizienz des ZNS ausmachen.

 

‚Responsivitaet‘ neuronaler Netzwerke

Diese Steuerung wird auch durch Verhalten und Handeln (z.B.’lernen‘) mitbeeinflusst. Bezieht man  diese Aspekte mit ein, kann das, was im Gehirn geschieht auch mit ‚Responsivitaet‘ bezeichnet werden. D.h. jedes Gehirn verarbeitet sensorische Impulse auf die ihm eigene Weise, indem es auf die aktuellen Impulse mit bereits funktionierenden neuronalen Netzwerkaktivitaeten reagiert. Wenn neuronale Aktivitaeten im Gehirn ueberhand nehmen, kann dies als hyper-responsiv bezeichnet werden, was moeglicherweise Unbehagen, Ueberlastung und Stress zur Folge hat. Die Bezeichnung ‚hyper-responsiv‘ entspraeche im Hinblick auf afferente Impulse hypersensitiven Nervenzellen bzw. Sinnessystemen.

 

Hyper-Responsivitaet und Eigenwirksamkeit

Die zentralen Netzwerke sind unter ganz bestimmten phylogenetischen und ontogenetischen Bedingungen entstanden und werden durch jeden sensorischen Impuls, jedes Erlebnis, das Verhalten und Handeln implizieren, weiter moduliert, was vice versa Verhalten und Handeln aendert. Unbehagen, Ueberlastung und Stress als Folge von Hyper-Responsivitaet neuronaler Aktivitaeten duerfte innerhalb unserer Kultur, die vom Einzelnen reibungsloses, normgerechtes Funktionieren verlangt, daher langfristig Verhalten und Handeln beeintraechtigen und die Eigenwirksamkeit in Frage stellen koennen.
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