Die Antwort wird medizinisch mit Hilfe entsprechender Diagnose-Kriterien gegeben. Es gibt diagnostizierte ASPIs, die dann sagen „Ich habe Asperger.“ Oder „Ich habe Autismus.“ So als haetten sie einen Virus eingefangen. Wenigstens wirkt dies auf mich manchmal so. Aus Berichten von Leuten, die eine Diagnose brauchen, um als behindert anerkannt zu werden, ergibt sich immer wieder fuer mich der Schluss, dass diese Kriterien Medizinern keine Orientierung geben, vor allem dann, wenn sie wenig Kenntnisse ueber autistisches bzw. aspisches Verhalten haben.

Können Betroffene berufstätig sein?

Vor allem aeltere Betroffene aus dem ASP-Spektrum, die jahrelang die verschiedensten Beeintraechtigungen und Probleme erlebten, haben Schwierigkeiten eine zutreffende Diagnose zu bekommen. Manche werden abgewiesen, weil sie berufstaetig sind oder waren und deshalb nicht zum ASP-Spektrum gezaehlt werden.

Helfen traditionelle psychiatrische Therapien?

Junge Betroffene werden im Anschluss an eine Diagnose in der Regel mit traditionellen psychiatrischen Methoden behandelt und mit Therapien und Medikamenten versorgt. Dabei wird sowohl in der Fachliteratur als auch von Betroffenen berichtet, dass derartige Therapien nichts nuetzen. Verhaltenstherapeutische Trainings schon eher, wenn die Unterstützer reflektieren können, was sie tun. U. a. berichtet Theunissen in „Menschen im Autismusspektrum“ (S. 168-172) ueber die problematischen Folgen traditioneller psychiatrischer Therapien. Verhaltenstherapie kann in Verbindung mit einem unterstuetzenden Beratungskonzept fuer alle Hochsensitiven (ASPIs, Autisten, ADHSler, ADSler) dem Betroffenen Fortschritte ermoeglichen, mit Menschen und in sozialen Bezuegen (u. a. Arbeitswelt) besser klar zu kommen. Informationen dazu gibt es u. a. auf der Webseite des Hamburger Autismus-Institutes oder auf der Seite des Koelner Autismus Therapie Zentrums .

Sind Aspis und Kanners geisteskrank?

Wenn Mediziner auf die Idee kommen, einem Betroffenen Medikamente zu geben, wird deutlich, dass in Deutschland hochsensitive Menschen als Kranke betrachtet werden, die geheilt werden muessen. Inzwischen spricht aber immer mehr dafuer, dass die Sensoren von Hochsensitiven anders funktionieren. Es ist also die neurophysiologische Ausstattung, die den Unterschied eines Hochsensitiven (ASP-Spektrum: ASPI, Autismus, Kannersyndrom…) zu normalen Menschen ausmacht. Niemand kaeme auf die Idee blind- oder taubgeborene Menschen mit Medikamenten zu behandeln, damit sie sich in der Welt der Sehenden und Hoerenden besser zurechtfinden. Solche Menschen muessen einfach viel lernen, um mit ihrer Behinderung ein moeglichst optimales Leben fuehren zu koennen.

Sind Betroffene lernfähig?

Von Betroffenen aus dem ASP-Spektrum wird regelhaft durch Fachleute und entsprechend von den Angehoerigen Anpassung gefordert. Auch dies spricht gegen die Qualitaet der Diagnosekriterien. Erfreulicherweise gibt es auch Angehoerige, die darueber anders denken und anders mit ihren Kindern umgehen. Neben Temple Grandin, die ohne ihre Mutter heute in einem Heim dahindaemmern wuerde, gibt es u. a. das ‚Son-Rise-Programm‘ der Kaufmanns, das auch inzwischen betroffene Familien in Deutschland erfolgreich umsetzen und z. B. das Verhaltenstraining nach ABA. D. h. es gibt Ideen
wie Menschen erfolgreich lernen – deren Sensoren etwas anders als ueblich funktionieren -, ja sogar erprobte Lernkonzepte, die Betroffene unterstuetzen und so ihr eigenstaendiges Leben foerdern. Solange aber Fachleute und Angehoerige davon ausgehen, dass Hochsensitive krank sind, ja sie sogar als geisteskrank bezeichnet werden, verpassen Menschen aus dem hochsensitiven Spektrum die Chance, durch Lernen fuer sich Verbesserungen zu erreichen. Betroffenen bleibt angesichts solcher Behauptungen in der Regel nur die Entscheidung, sich selber fuer irreparabel behindert bzw. gestoert zu betrachten. Dabei ist bekannt, dass sie oft nicht nur einzigartige Faehigkeiten und spezielle Interesse haben, sondern auf ihre ganz eigene Weise lernen, die schulische Lerntheorien und damit Unterrichtsmethoden radikal in Frage stellen.
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