Das Verhalten und Reden anderer ruft bei Hochsensitiven und Aspis immer wieder Irritationen hervor. Daraus können sich heftige Konflikte ergeben. In letzter Zeit habe ich eine Reihe solcher heftigen Konflikte ausgelöst. Sie sind mir sehr unter die Haut gegangen. Ich habe damit anderen viel zugemutet und freundschaftliche Beziehungen arg strapaziert.
Die Konflikte begannen jeweils, dass ich – irritiert vom Verhalten des anderen – glaubte, ich hätte ihn bei einem Irrtum ertappt. Diese Sicht löste bei mir in einer Reihe von Situationen heftiges, agressives Streiten mit dem anderen aus, der meine Sicht nicht teilte. Ich wollte um jeden Preis recht haben. Ich erlebte es als etwas, das irgendwie über mich kam. Ich fühlte mich, als steckte mein Kopf wie in einem Nebel. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen und polterte einfach drauf los. Ich war nicht mehr in der Lage mit zu bedenken, dass möglicherweise ich mich irrte. Ich entzog mich diesen Situationen.
Diese Situationen häuften sich. Ich wollte darüber nachdenken. Ich wollte lernen , dieses Verhalten zu ändern. Es war mir nicht angenehm. Mit meinem Freund  Rolf Reinhold  habe ich in den Jahren davor gelernt, dass ‚rekonstruieren‘ die Möglichkeit gibt, das eigene Verhalten zu ändern. ‚rekonstruieren‘ heißt so viel wie, das Geschehene so genau wie möglich zu erinnern. Menschen mit einem traditionelleren Sprachgebrauch würden hier etwas weniger prägnant von ’sich selbst erkennen‘ reden.
Zuerst gelang es mir nicht, die Situationen zu rekonstruieren. Die jeweils Beteiligten haben mich unterstützt und ihre Beobachtungen beigetragen. Das hat mir geholfen, ähnliche Situationen zunehmend selber zu rekonstruieren.
Die Wirkung von ‚rekonstruieren‘ ist hilfreich. Sie ermöglicht die Entscheidung, Verhalten zu ändern. Nicht sofort und umfassend, aber nach und nach. Es ist notwendig, mit sich geduldig zu sein. Das beschriebene Verhalten ist Ausdruck von früher Gelerntem und gehört zu den eigenen mühsam erworbenen Verhaltensmustern. Es hilft auch, wenn man seine Mitmenschen während dieser Änderungsszeit darum bittet , Geduld zu haben. Aspis und Hochsensitive sind dazu im Prinzip fähig und bereit.
Kennt man nun das eigene Verhalten und ist bereit etwas daran zu ändern, passiert es, dass man in entsprechenden Situationen merkt, wohin man sich gerade bewegt oder wohin der Hase läuft. Es ist weder nützlich noch führt es weiter, wenn man sich dazu ‚in die Pflicht nimmt‘ und sich unerwünschtes Verhalten verbietet. ‚merken‘, wenn wieder mal etwas in bekannter Manier daneben geht, genügt völlig. ‚merken‘ ermöglicht inne halten und das eigene Verhalten zu unterbrechen. Im Zuge von weiterem ‚rekonstruieren‘ und ’nachdenken‘ kann man andere Verhaltensmöglichkeiten sammeln. Und auch diese stellen sich dann in Folge des ‚merken‘ wie von selbst, d.h. spontan ein.
Vermutlich ist diese beschriebene Lösung, die ich – um es zu wiederholen – Rolf Reinhold verdanke, nicht einfach nachzuvollziehen. Vielleicht kann meine Beschreibung helfen, es denkend zu kapieren. Ansonsten steht es jedem frei, mich dazu zu befragen.
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