Der Psychologe und Theologe Schweingruber  schrieb in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, dass Aspis mehr Probleme lösen müssen als andere, wenn sie mit ihrem Leben  klar kommen möchten. Das hat sich durch die Jahrzehnte meines Aspi-Lebens bestätigt. Dieses Leben lässt sich als ein Wechsel zwischen Schwierigkeiten unterschiedlichen Grades charakterisieren, die ich unterschiedlich erfolgreich lösen konnte: Heißt so viel wie, ich traf Entscheidungen, die ich für Lösungen hielt. Sie waren provisorisch, sie wurden durch Erprobungen, immer wieder verändert. Überwiegend lernte ich, Schwierigkeiten auszuhalten, nicht aufzugeben, weil mir Lösungen nicht einfielen, bzw. nicht zur Verfügung standen, oder sie hätten extreme Wirkungen für andere zur Folge gehabt, die ich diesen nicht zumuten wollte.  Es wuchs ein Berg von Unerledigtem, der in den letzten Jahren in radikalen Entscheidungen mündete.

Die Konstante im Aspi-Leben

Sicher ist, dass meine neurobiologische Konstitution, die mein Aspi-Verhalten im Zusammenhang mit den Rahmenbedingungen meines Lebens prägte, unverwüstlich ist. Geändert hat sich meine Art und Weise des Umgehens damit. Die unverwüstliche neurobiologische Konstitution könnte auch der Grund sein, weshalb alle Arten von Hilfskonzepten, die sie nicht berücksichtigen, vergeblich waren, mir sogar Probleme bescherten, die ich vorher noch nicht hatte. Es ist ein fataler Irrtum, dass sich daran im Laufe des Lebens etwas ändern könnte: Ich habe aber immer besser gelernt, den Mund zu halten und  meine Welt erträglich zu gestalten. Dies passt zu einer Devise, die ich mir als junges Mädchen zu eigen gemacht hatte: Geh auf der Schattenseite und sei leise. Diese Gradwanderung funktioniert mit Nachdenken.

Aspis brauchen andere

Es hat sich auch ergeben, dass es unerlässlich ist andere Menschen – Aspis und solche, die sich damit auskennen –  zu haben. „Menschen brauchen andere Menschen“, sagt Rolf Reinhold , und Aspis sowieso (Kontakte ja – aber wie) , weil sie mehr Schwierigkeiten haben als andere. Diese ergeben sich vor allem durch den kulturellen Kontext unserer christlich geprägten Welt. In anderen Kulturen tun sich Aspis möglicherweise leichter. Doch das ist nur eine (wenn auch tröstliche) Behauptung. Aspis merken die Fallstricke der kulturellen Prägung und Konstrukte, weil sie bei ihnen permanent nachteilig wirken. Sie wirken als Hindernisse unterschiedlichster Art und Tragweite (Entwicklungs- Schul- Berufsprobleme, Umgang mit anderen Menschen).

Aspis brauchen Konzepte

Mehr Probleme haben heißt auch zu leiden. Dieses Leiden – es war und ist ein kontinuierlicher Begleiter –  kann unterschiedliche Reaktionen bewirken. Bei mir hat es das Interesse und die Frage nach dem, wie andere ihr Leben meistern, wach gehalten. Dazu gehörte auch das Interesse und Fragen, an die Wissenschaften, die sich mit dem Menschen beschäftigen. Welche Antworten geben diese Wissenschaften und was kann ich damit anfangen? Beides führte zu vielen Fragen, die mich in Anspruch nahmen. Die Zeit, die ich dafür hatte, war begrenzt durch andere Aufgaben (Beruf, Familie …) Fortschritte gab es nur dann, wenn mir Zeit für die Beschäftigung damit blieb. Ich entdeckte sowohl in Lebenskonzepten anderer als auch in den Wissenschaften eine Bandbreite von Sackgassen, Entwicklungsträchtigem und Mischungen daraus. Meine eigenen „Basteleien“ aus dieser Bandbreite ergaben „Patchworks“ alternativer Verhaltensmustern, die immer wieder neu zusammengesetzt werden mussten, um für neue Situationen zu passen. Diese umfassende „Eklektik“  hatte den Vorteil, kontinuierlich an mir und meinem Verhalten weiter zu arbeiten. Die negative Mitbedeutung, Eklektikern mangle es an eigenen Ideen, teile ich daher nicht. Ich habe durch die Anwendung von Ideen anderer immer auch eigene produziert.
Schließlich fand ich einen kundigen Berater, Rolf Reinhold , der mich darin unterstützte weitreichendere und professionelle Lösungen zu finden. Mit ihm zusammen gelang es kulturelle Rahmenbedingungen, Verhalten und  Denken zu reflektieren und neue Möglichkeiten zu entdecken. Dieses gemeinsame Nachdenken hat mein Nachdenken im Laufe der letzten zehn Jahre geschult. Mein ohnehin vorhandenes Interesse an Philosophie ist mir dabei zu Gute gekommen. Es freut mich, dass es auf diese Weise zum Gelingen meines Lebens beiträgt.
Die Philosophie zu kennen, wie sie in Philosophiegeschichten steht, ist aber nicht Bedingung. [Beim heutigen Stand der philosophischen Ausbildung möchte ich eher davon abraten.] Wesentlich ist das eigene Nachdenken, das  Selberdenken. Dazu brauchen Aspis das Material ihres täglichen Lebens, Menschen und Ideen – eigene und andere – um sich weiter entwickeln zu können, wenn sie dies möchten.
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