Hans Asperger (1906 -1980) gilt als einer der Begründer der Diagnostik für Autismus. Nach ihm wurden seine Beschreibungen von Kindern, die er als ‚Psychopathen‘ bezeichnete, unter der Bezeichnung ASPERGER SYNDROM verbreitet.
In dem Buch von Rolf Castell (Hg.): Hundert Jahre Kinder- und Jugendpsychiatrie. Göttingen (V&R unipress) 2008 (Google-Buch) fand ich einen Bericht von seiner Tochter über ihn. Maria Asperger Felder arbeitet in Zürich als Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ich habe eine Zusammenfassung ihrer Darstellung erstellt, die ich hier veröffentliche.
Hans Asperger verwendete die Bezeichnung „AUTISTISCHE PSYCHOPATHIE“ erstmals 1938 in seinem Buch: „Das psychisch abnorme Kind“. „Der Begriff ‚Autismus‘ wurde in Anlehnung an Eugen Bleuler gewählt, der den Ausdruck 1912 für das zurückgezogene, egozentrische Verhalten von chronisch Schizophreniekranken geprägt hatte.“ In seiner späteren Habilitationsschrift berichtet er über 200 Kinder, die in in zehn Jahren Tätigkeit an der Heilpädagogischen Station beobachten konnte. „Er habe nur Knaben gesehen (‚Der Autistische Psychopath ist eine Extremvariante der männlichen Intelligenz, des männlichen Charakters‘), meint aber, dass Mädchen möglicherweise später, oder in einer anderen Art, auffällig werden.“(Castell,  S. 105)
Asperger hielt eine genetische Ursache für wahrscheinlich, weil ein konstant einheitliches Krankheitsbild vorliegt. „Der Autistische ist nur ‚er selbst‘, … nicht ein lebendiger Teil eines größeren Organismus, von diesem ständig beeinflusst und ständig auf diesen wirkend. … Es ist unmöglich, ihn zum Mitspielen in einer Gruppe zu bringen. … Die Leistungen sind dort am besten, wo das Kind spontan produzieren kann, dort am schlechtesten, wo es einen bestimmten, vorgeschriebenen Weg einzuschlagen hat, besonders wo es Erlerntes wiederzugeben hat. Das Wissen von der Welt erwächst vor allem aus eigenem Erleben, nicht aus dem, was das Kind von den anderen angenommen, erlernt hat. “ (Ebd.) Asperger beschrieb auch motorische Ungeschicklichkeit und sensorische Auffälligkeiten. Außerdem ihre auf bestimmten Gebieten ungewöhnlichen Kenntnisse und Urteilsfähigkeit, wie z.B. Kunstverständnis. „In solch frühem Verhältnis zur Kunst drückt sich die frühe Reife und Tiefe des autistischen Denkens … aus…“ (Ebd.106)
1949 hielt Hans Asperger auf einem Kongress für Heilpädagogik ein Referat über „Bild und soziale Wertigkeit der Autistischen Psychopathen“.
„Ja, es scheint fast, als wäre, für bestimmte wissenschaftliche, auch künstlerische Tätigkeiten, ein Schuss Autismus, eine ‚Abgestelltheit‘ gegenüber der Welt vonnöten! Daraus kann eine unbeirrbare Schlagkraft kommen, welche diese Menschen den ‚Normalen‘ durchaus überlegen macht.“(Ebd.) Aus dem extremen Heimwehverhalten schloss Hans Asperger, dass Autisten zwanghaft fixierte Beziehungen haben. Ein normales Kind zeige dagegen ‚reiche, hin und her flutende Beziehungen‘. Autismus und Verlassenheit hätten ganz enge Beziehungen, meinte A. Er glaube aber, „… dass es ganz allgemein eine Möglichkeit menschlichen Seins ist, sich ‚autistisch‘ zu verhalten. … der Mensch … ist auch ein ‚Selbst‘, in sich beruhend, sich absetzend von der Welt.“ (Ebd.107) Andererseits sei der Mensch von Natur aus mit ‚Werkzeugen ausgestattet, um Teil der menschlichen Gemeinschaft sein zu können. (Ebd.108)

Maria Felder-Asperger soll über ihren Vater geäußert haben, dieser sei selber Autist gewesen.

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